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| Lustige Leseprobe mit Klick aufs Cover |
bei
einer Führung erzählte eine Dame, sie hätte in ihrem Museum
gelesen, dass die Wikinger ihre eigenen Kinder ertränken, wenn sie
nicht genügend Nahrung hatten, um diese zu ernähren. Ich bitte um
schriftliche Auskunft, auf welchen Historiker diese Aussage zurück
geht. Außerdem sehe ich mich gezwungen - trotz der wundervollen
Exponate - ihr Museum aufgrund folgender Begebenheit negativ auf
Google zu bewerten. Hier der Wortlaut:
Zum
Einen ist es ein Armutszeugnis, dass nur ein Prozent des Geländes
ausgegraben wurde. Selbst das polnisch Wikingerdorf in Wollin ist sehr viel
größer. Zum Anderen stellt sich die Frage, warum ein ehemaliger
Konditor Reiseführer sein darf, der nur nachplappert, was er mal in
der ZDF-Mediathek gelesen hat, ohne die Aussagen einer historischen
Prüfung zu unterziehen. Vieles von dem, was er den ahnungslosen
Reisenden erzählt, ist nachweislich falsch. Bei anderen Themen
erwarte ich als zahlender Kunde, dass ein Reiseführer zumindest so
viel Hintergrundwissen hat, um zu berücksichtigen, dass es gerade
bei Historikern Thesen und Anti-Thesen gibt, die mehr oder weniger
gut belegt sind. Dementsprechend ist die Behauptung des Konditors,
der Name der Wikinger entstamme dem 18. Jhd. schlicht unseriös und
tendenziös - er müsste nichts weiter tun, als auf Wikipedia den
Namen des Sachsenfürsten Widukind einzugeben. Dann wüsste er, dass
dieser tatsächlich Weking hieß. Er floh vor dem Sachsenschlächter
Karl dem Großen zu den Nordgermanen. Seine Anhänger sollen sich
Wekinger genannt haben, woraus Wikinger wurde. Letztlich entstanden
die Wikinger, um sich der Zwangschristianisierung durch die Franken
zu entziehen. Und da sie in Mitteldeutschland getötet wurden, wenn
sie sich nicht taufen ließen, flohen sie eben nach Norden - sowie
die Kelten nach Irland flohen.
Als Historiker sollte man alle Theorien kennen und nicht mit Begriffen wir Fakenews um sich werfen, aber der Mann ist ja kein Historiker. Obwohl er es einerseits als rechtsextrem verkauft, wenn jemand in einem Buch Haithabu als Stadt der Germanen bezeichnet, sagt er andererseits, dass die Friesen Haithabu gegründet haben. Aber auch die Friesen waren ein germanischer Stamm, und wenn diese eine Stadt gründen, sollte es legitim sein, diese als Stadt der Germanen zu bezeichnen, zumal die Skandinavier und Dänen ja - wie gesagt - Nordgermanen waren, was ja nichts Schlimmes ist (oder doch?)
Noch abenteuerlicher wurde der Vortrag des Konditors, als er es als Sensation bezeichnete, dass eine Frau in einem Schiffsgrab beerdigt wurde. Hat er noch nie etwas von dem Grab in Birka gehört, wo man lange Zeit dachte, es wäre ein Mann, aber man durch moderne Untersuchungen herausfand, dass es eine Schildmaid war, die im Grab im Birka liegt? Die Germanen und Wikinger sind dafür bekannt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt waren. Wieso soll es dann eine Sensation sein, wenn auch Frauen pompös beerdigt wurden? Aber es kommt noch besser. Der gute Mann behauptet, die Verstorbene hätte einen Gendefekt gehabt und wegen diesem Gendefekt wäre sie so gaga gewesen, dass man sie für eine Druidin, Seherin oder Heilerin gehalten hätte, was ja per se schon diskriminierend ist.
Aber bei den Germanen (= Wikingern) gab es gar keine Druiden, sondern nur bei den Kelten, und das waren Männer. Bei den Germanen und Wikingern gab es Völvas. Aber ich glaube kaum, dass diese einen Gendefekt hatten, weil sie auf eine Art heilten, die man heutzutage Reiki nennt.
Und dann erzählt der Konditor noch, dass die Drehbuchautoren von Vikings viel Fantasie gehabt hätten. Ich empfehle Ihnen, auf Grin die wissenschaftliche Analyse "Fakt und Fiktion am Beispiel derSerie Vikings" zu lesen (oder auch mal ein Buch in die Hand zu nehmen). Obwohl es natürlich hier und da Verwandtschaften gibt, die der künstlerischen Freiheit geschuldet sind, wie die Darstellung von Ragnar und Rollo als Brüder und die Wikinger keine Lederkleidung trugen, stellte sich doch heraus, dass die Serie sehr nah an den historischen Fakten ist. Von einem Reiseführer erwarte ich demnach entweder eine differenzierte Aussage oder, dass er zu dem Thema gar nichts sagt.
Es ist ein Skandal, dass ich für diese haarsträubende Desinformation auch noch bezahlen musste. Deswegen fragte ich den guten Mann am Ende, welche Qualifikation er vorzuweisen hat. So erfuhr ich, dass er gelernter Konditor ist und sich bei der Bewerbung gegen Archäologen, Historiker und Museumspädagogen durchsetzen konnte. Das ist jetzt wirklich erklärungsbedürftig. Denn so hat es ja den Anschein, als sei die Desinformation von 'oben' inszeniert. Gibt es ja auch im Journalismus, dass lieber Ungelernte eingestellt werden, weil diese keine Ahnung von Informationsbeschaffung haben und Fakten nicht, z.B. anhand von Büchern und Primärquellen überprüfen. Oder er geht vielleicht selbst mal in das Museum, über das er informieren soll. Denn es ist ja schon peinlich, wenn im Museum steht, dass die Wikinger ihr Glas selbst herstellten, und der Reiseführer im Anschluss erzählt, das Glas sei importiert worden, weil die Wikinger das nicht hätten herstellen können. Mit freundlichen Grüßen“
Außerdem berichte ich in einem Video von der als Reiseführung getarnten Propaganda:
MEHR ZUM THEMA: Konditor macht auf Reiseführer im Wikingermuseum Haithabu
Da der Patriot-Psychopath mir gerade mit merkwürdigen Links meinen ZEITSTRAHL zerschießt, plaudere ich jetzt auch hier aus, was er seiner Freundin Kriminelles angetan hat: https://steiner-horsemanship.blogspot.com/2024/07/die-tat-eines-psychopathen-was-der.html

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